Walk n Fly am Hochschwab – 6. Juni 2010

Steinbock

Von unserm „Gärtner“ Franz Ferdinand wieder einmal ein feiner Bericht, thx:)

Ich war kaum eine Woche daheim, von meinem Motorrad-Urlaub in Italien und schon reizte es mich mit dem Schirm eine neues Walk n‘ Fly Abendteuer zu bestreiten. Mein Entschluss war jedoch sehr spät gefallen und so besuchte ich noch eine Geburtstagsparty und die mitternächtliche FB- Bekanntgabe meines Vorhabens verstummte ungehört in den Weiten des WWW. Gezeichnet von der Feier des Vortages, mit zu wenig Wasser und fast genauso wenig Nahrung, bestritt ich den Aufstieg zum Hochschwabgipfel.

Und hier tat ich Busse für alle meine Sünden. Ich war müde und die Traubenzuckereckerl, die ich zeitweise aß, hatten eher psychologischen Wert. Je höher ich kam, desto deutlicher waren die Spuren des kalten Frühjahrs zu erkennen und so stapfte ich, kraftraubend, bereits auf 1600m durch knietiefen Schnee. Die Reflektion der Schneedecke blendete und tat ihr übriges an meiner eher miesen Gesamtverfassung. Die kraftvolle Vormittagssonne legte ihre sengenden Strahlen in Felsrinne des G’hackten und verwandelte diese in einen brütenden Backofen. Der Schnee reflektierte wie ein Spiegel die Sonne und sorge dennoch für Abkühlung, wenn man sich damit an Kopf und Hals einrieb. Fast wie eine Erlösung erschein mir der Ausstieg nahe dem Gipfel und der sanfte Wind sorgte für Kühlung und eine gute Aussicht auf einen erfolgreichen Flug.

Am Gipfel, wo die Wetterlage eindeutig zu überblicken war, stellte sich sofort heraus, das der Flug nur durch das Lee führen kann, denn es herrschte Nordwestwind und ich musste nach Süden fliegen. Um eventuelle Tücken auszuschließen beobachtete ich für 10-15 Minuten die Lage. Prüfte, wie kontinuierlich der Wind war und ob Böen eingelagert sind. Zeitgleich drängte mich mein Bewusstsein zu einem baldigen Start, denn die Leethermik des Hochschwab wollte ich, zumal ich doch recht müde war, nicht unbedingt auskosten. Schlussendlich entschied ich mich zum Start. einem bewussten Start nach Nordwest, um kurz darauf hart nach Süd abzudrehen, um mit Rückenwind direkt in das Lee der Südwand zu fliegen.
Das kostet einiges an Überlegung, ist nicht unbedingt weise und auch nicht ungefährlich. Und so zögerte ich etwas. Also entschied ich mich den Schirm vorerst nur aufzuziehen. Fünzehn km/h Wind sind, auch wenn es recht bescheiden klingt, ganz schön kräftig und so musste ich dem Schirm sogar 2-3 Schritte entgegen gehen, ehe er sich über mir einfand. So verharrte ich mehrere Augenblicke, stabilisierte die Kappe, erfühlte den Wind und deutete das Feedback über die Bremsleinen. Alles schien zu passen, man musste kaum korrigieren und der Bremsdruck war schön satt. Kurze Zweifel warf ich schnell mit folgen Argumenten über Bord, „.was soll passieren, das Lee lauert erst etwas hinter der Kante und dort hätte ich 400m für etwaige Reparaturen“. Schnell war ich ausgedreht, es folgten drei beherzte Schritte, mit einem Satz warf ich mich ins Gurtzeug und noch ehe ich saß war auch schon die Steilkurve angesetzt, um mit ausreichend Höhe ins Lee überzusetzen. Unter dem beeindruckendem Panorama, des sich unter mir auftuenden 400m tiefen Abbruch der Hochschwab Südwand harrte ich dem unvermeidlichen.. Doch nichts passierte. Ich hatte weder einen hohen Groundspeed, noch irgendwelche Turbulenzen. lediglich das Sinken war mit knapp 2m etwas über der Norm.. doch weit von einem ausgeprägten Lee entfernt. Es hätte auch anders sein können. Der Flug war, wie schon so oft beeindruckend. Winzig fühlt man sich zwischen diesen Felsenabbrüchen. Doch gleichzeitig ist man nicht in der Lage abzuschätzen wie groß und wie rau die Landschaft unter einem ist, auch wenn man sie kurz zuvor selbst durchwandert hat. Die sanfte, langsam einsetzende Thermik nahe der Felsen verlängerte meinen Flug etwas , war aber im Endeffekt zu schwach und versetzt, als ob ich sie hätte nutzen können und so fand ich mich bald darauf im Landeanflug wieder. Der arme Mensch, der sich, vermeintlich sicher vor neugierigen Blicken, im hohen Gras nackt sonnte fuhr entsetzt zusammen, als ich 10m über ihn laut die Ohren zur Landung anlegte. ach ja, manchmal muss mein einfach „böse“ sein ;-). Doch die Rache holte mich bald darauf ein, denn aus meiner kurzen Ruhepause nach der Landung wurde ein längeres Schläfchen und als ich aufwachte hatte mich die Sonne gar übel verbrannt…
cosi è la vita

Walk n Fly am Hochschwab 2010